Hummeln fliegen auch bei Regen

Autor: Ingrid Leitner
Bilder: Andrea Kraft

Buchautorin Andrea Kraft im Impuls-Lifestyle-Interview

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Mit ihrem Roman „Hummeln fliegen auch bei Regen“ spricht die aus Wasserburg am Inn stammende Autorin Andrea Kraft vielen Menschen aus der Seele. Auf einzigartige, bewegende, humorvolle und mitreißende Art beschreibt sie in dem zum Teil autobiografischen Roman ihre Depressionserkrankung sowie den Weg zurück ins Leben. Wir wollten mehr über diese eindrucksvolle Persönlichkeit wissen und trafen uns mit Andrea Kraft zum Interview.

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Liebe Frau Kraft, vorab möchte ich mich schon mal ganz herzlich dafür bedanken, dass Sie uns Ihre Zeit schenken. Sie haben letztes Jahr bereits Ihr zweites Buch herausgebracht. Wie stolz sind Sie auf Ihre Werke?

Andrea Kraft: Ich bin unheimlich stolz darauf. Viele Leute träumen davon, ein Buch zu schreiben. Für mich ist dieser Traum Wirklichkeit geworden.

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Welcher Gedanke steckt hinter dem Titel Ihres ersten Buches?

Andrea Kraft: Die Hummel ist ein Insekt, das rein wissenschaftlich betrachtet eigentlich gar nicht fliegen könnte. Sie weiß es aber nicht, versucht es einfach und fliegt. Viele Menschen versuchen erst gar nicht, ihre Träume zu leben, weil sie denken, dass es ohnehin nicht klappen wird. Mit dem Buch möchte ich meine Leser ermutigen, nicht immer über alles explizit nachzudenken, sondern es einfach mal zu wagen. Ganz besonders auch während der Regentage des Lebens.

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Wie kamen Sie zum Schreiben und was hat Sie zu Ihrem ersten Romans veranlasst?

Andrea Kraft: Ich wollte schon immer ein Buch schreiben. In einem Aufsatz in der dritten Klasse teilte ich meiner Lehrerin mit, dass ich einmal ein Buch schreiben werde, das die ganze Welt lesen wird. Heute habe ich eine kleine aber feine Leserschaft, die für mich die ganze Welt versinnbildlicht. Nach meiner schwierigen Lebensphase wurde ich von meinem Mann Thomas ermutigt meinen Traum zu leben. Also habe ich damit angefangen zu schreiben. Ich spürte damals ganz deutlich, dass der Zeitpunkt dafür gekommen war.

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War das Schreiben eine Hilfe, Ihre Gefühle zu verarbeiten, sozusagen eine Art Selbsttherapie für Ihre Depression?

Andrea Kraft: Na ja, es hat mir im Nachhinein sicherlich geholfen, meine Gefühle zu verarbeiten und vor allem diese auch besser zu verstehen. Selbsttherapie würde ich es nicht nennen wollen, denn ich habe eine längere Zeit in einer psychosomatischen Einrichtung verbracht. Danach folgten noch einmal zwei Jahre ambulante Therapie mit einer Psychologin. Für mich war es unheimlich wichtig, meine Gefühle anderen Menschen zu verdeutlichen, um das Thema Depression greifbarer zu machen.

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Wie, glauben Sie, kann Ihr Buch auch anderen Betroffenen helfen?

Andrea Kraft: Natürlich ist es kein Allheilmittel gegen Depressionen. Es ist und bleibt ein Roman. Eine Geschichte. Deshalb beginnt das Buch auch erst mit der Entlassung „Hannahs“ aus der Klinik. Ich möchte meinen Lesern zeigen, dass es durchaus seine Zeit dauern kann, bis man wieder vollständig in das Leben integriert ist. Kleine Rückschläge sollte man mit der Zeit ertragen können und man sollte versuchen, mit positiver Motivation gegenzusteuern. Wer irgendwann wieder über sich selbst lachen kann, ist bereits auf einem guten Weg. Zudem glaube ich, dass es auch für Angehörige eine gute Lektüre sein kann. Viele Menschen aus meinem Umfeld haben meine Krankheit tatsächlich erst „richtig verstanden“, nachdem sie das Buch gelesen hatten.

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War das Schreiben mit persönlichem Bezug zu dem Thema nicht oft auch schwierig und anstrengend für Sie?

Andrea Kraft: Oh ja. Ich habe oft überlegt, wieviel ich von meinem Leben preisgeben soll. Immerhin lebe ich in einem kleinen Ort, und es war mir durchaus bewusst, dass man Hannahs Lebensgeschichte schnell mit meiner eigenen in Verbindung bringen wird. Ich habe sehr viele Seiten geschrieben, sie wieder gelöscht, nur um sie später wieder einzufügen. Letzten Endes glaube ich aber, dass ich eine gute Mischung aus Realität und Fiktion gefunden habe.

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Depressionen zu haben ist ein Leiden, das für Außenstehende fast nicht nachzuvollziehen ist. Wie würden Sie es beschreiben?

Andrea Kraft: Oh, das halte ich für ganz schwierig, denn ich glaube, dass depressive Menschen auch ganz unterschiedlich empfinden können. Man spürt eine Leere in sich, bei der man am Ende sogar glaubt, der Tod wäre eine gute Lösung, weil man den Sinn am Leben einfach nicht mehr wiederfindet. So traurig das ist, aber so Sätze wie „Denk doch an deine Kinder“ oder „Reiß dich zusammen“ verstärken das Gefühl noch zusätzlich. Jeder Moment einer noch so kleinen aktiven Handlung wird zur großen Herausforderung. Und die Krankheit kommt schleichend. Vermutlich fällt es daher depressiven Menschen auch leicht die Krankheit zu verstecken. Aber in einem selbst spürt man ganz genau, dass irgendetwas nicht mehr stimmt.

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Welchen Menschen würden Sie Ihr Buch ans Herz legen?

Andrea Kraft: Ich denke, dass jeder etwas aus dem Buch in sein eigenes Leben übertragen kann. Bei meinen Lesungen merke ich auch zunehmend, dass sich immer mehr Jugendliche zu der Krankheit Depression bekennen. Mein Buch wird Leuten helfen, die diese Krankheit verstehen wollen und auf der Suche nach dem Zurück ins Leben etwas Ansporn benötigen. Deshalb halte ich es auch für Angehörige von Depressionskranken für empfehlenswert. Erstaunlicherweise habe ich auch viele männliche Leser, die mir schreiben, dass sie nun auch die Frauenwelt besser verstehen.

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Was ist die für Sie wichtigste Aussage Ihres Romans? Was wollen Sie ihren Lesern mit auf den Weg geben?

Andrea Kraft: Die wichtigste Aussage steckt bereits im Titel meines Buches. Nicht lange überlegen, Risiko abwägen und dann einfach mal fliegen. Was ich ebenfalls für wichtig halte: loszulassen, was einen behindert. Nur wer eine Hand frei hat, kann nach Neuem greifen.

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Info
Erhältlich ist Andrea Krafts Roman bei „Zehrer – Lesen, Schreiben, Schenken“ in der Reichenhaller Straße 17 in Freilassing, in der Cafeteria „Carpe Diem“ des Krankenhauses Freilassing in der Vinzentiusstraße 56 sowie online über www.amazon.de.

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