HUMOR-LOSE SIND MANCHMAL NIETEN!

Bild: ©Konstantin Yuganov, tournee - stock.adobe.com
Autor: Stefanie Zauchner-Mimra
Kinder lachen bis zu 400 mal am Tag, Erwachsene nur noch etwa 15 mal. Das ist logisch! Mit dem Schuleintritt beginnt schließlich der Ernst des Lebens, nicht wahr? Spaß gibt es höchstens in den Ferien, später im Urlaub oder gar nur mehr im Fasching? Der Ernst des Lebens versteht keinen Spaß. Wer ernst genommen werden will, möge sich bitte erwachsen und vernünftig benehmen. Für Spaß ist da kein Platz. „Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen“, heißt es doch schließlich! Und wo bleibt für ganztags Berufstätige das Vergnügen, nachdem sie einen ganzen Tag ernst waren? Ach ja, genau! Abends vor dem Fernseher mit den Nachrichten und dem Krimi! Ha ha! Selten so gelacht!
Ehefrau, verliebt und frisch verheiratet: „Darf ich vorstellen: mein Mann!“ Nach 10 Jahren Ehe: „Können Sie sich vorstellen: Mein Mann!“ Nach 30 Jahren Ehe: „Können Sie sich bitte davorstellen: Mein Mann!“ (Der Witz ist selbstverständlich genderbar!)
Noch vor 3 Jahren dachte ich, dass eine seriöse Psychologin ernst sein müsse und dass Psychotherapie und Humor getrennt voneinander existieren. Die Ausbildung zur provokativen Psychotherapie nach Franz Farrelly und jede Menge Bücher belehrten mich eines Besseren. Humor hat seinen Platz in der Psychologie – Gott sei Dank! Ich erlaube mir in meiner Praxis zu lachen, Späße zu machen, meine KlientInnen zum Lachen zu bringen und mit humorvollen Interventionen psychische Probleme zu behandeln.

Humor ist eine ernste Sache!

Humor gehört ernst genommen. Man lacht über den Humor und seine gesundheitsförderliche Wirkung nicht mehr, da diese längst wissenschaftlich belegt ist. Auch viele Praktiker/innen nehmen Humor bereits ernst. Ich denke dabei an die Clinikclowns, an Improvisationstheater- und Lachyogakurse, an Humor in der Pflege, humorvolle und provokative Interventionen im therapeutischen Alltag, das Handpuppenspiel in der Pädagogik und Humor als Erfolgsressource in der Wirtschaft. Wir brauchen nicht mehr in den Keller zu gehen oder angetrunken und maskiert zu sein, um lachen zu dürfen.
Übrigens: Warum haben Fische Schuppen? - Wo sollten sie sonst ihre Fahrräder unterstellen?

Humor ist für den Körper gesund!

Humor beeinflusst alle Körperprozesse positiv. Sie tun etwas für Ihr Herz, Ihre Lungen, Ihre Muskulatur, Ihr Gesicht und Ihre Lymphe, wenn Sie herzhaft lachen. Sie entgiften, reduzieren Schmerz, erhöhen Ihre Sauerstoffzufuhr, erheitern sich und bekommen gerötete Wangen.

Humor ersetzt Botox.

Eine Minute Lachen ist so effektiv wie 45 Minuten Entspannungstraining. 21 Gesichtsmuskeln und rund 80 Muskeln im Körper werden in Anspruch genommen und gelöst.
Fröhliche Menschen essen weniger, weil sie sich den Bauch halten, anstatt ihn zu füllen.

Humor ist für den Geist und die Psyche gesund,

Sie können schneller und leistungsfähiger denken und unter Stress Informationen besser aufnehmen, wenn Sie humorvoll sind. Humor reduziert Angst, macht mutig, löst Spannungen und fördert schöpferische, kreative Prozesse. Ich z. B. bin schon so mutig geworden, dass ich ohne mich anzuschnallen durch die Waschstraße fahre.

Humor bewirkt eine Distanzierung zu Problemen.

Innerhalb dieser Ent-Identifizierung finden sich leichter Lösungen, als wenn Sie mit einem Problem identifiziert sind. Nach einem Lachanfall „haben Sie“ kein Problem mehr, sondern „gibt es da unter anderem auch noch ein Problem“. Wenn etwas nah an einem dran ist, erscheint es riesengroß. Rückt ein Problem in die Ferne, wird es kleiner. Das geschieht unter anderem nach einer humorvollen Intervention.

Humor ist sozial gesund!

Nicht zuletzt wirkt Humor verbindend. Lachen ist sozialer Kitt. Humorvolle Menschen werden gemocht. Humor und Aggression passen nicht zusammen. Ein humorvoller Mensch signalisiert, dass er harmlos ist und seine Aggressionen im Griff hat. Humor kann zwischenmenschliche Spannungen abbauen und eine lockere Atmosphäre schaffen.

Humor ist beruflich gesund!

Humorvolle Äußerungen können bei sozialen Konflikten helfen, selbstbewusst zu kontern und sich auf Augenhöhe zu erleben, anstatt sich unterlegen und verletzt zu fühlen. Lachen steigert die Kreativität, die Leistung und die Motivation, und das nicht nur durch die verbesserte Sauerstoffzufuhr, sondern weil Angst abgebaut wird. Humorvolle Vorgesetzte motivieren ihre Mitarbeiter zu mehr Leistung. In einem humorvollen Umfeld arbeitet man gern.

Fazit: Humor hilft, die eigenen Probleme (und sich selbst!) nicht ganz so ernst und das Leben im Allgemeinen leicht(er) zu nehmen!
Ein älterer Herr mit ziemlich kahlem Kopf beim Friseur: „Könnten Sie mein Haar locken, bitte?“ – „Versuchen kann ich es, aber ob es herauskommt?“

Heute schon gelacht?

Wie oft lachen Sie? Wie oft lassen Sie sich erheitern oder erheitern andere? Selbstverständlich gibt es genügend Gründe, nicht zu lachen. Klar ist das Leben ernst, schwer und bedrückend. Natürlich sind alle gemein, fies, negativ, humorlos. Was soll es da noch zu lachen geben? Kranke Verwandte, eifersüchtige Freundin, Arbeitslosigkeit, Burnout, Stress, Verluste und Umweltkatastrophen wie der Klimawandel und die Politik ;-). Sind das keine Gründe zu jammern, zu weinen, zu wüten und zu toben?

Natürlich. Sie haben recht. Ich würde auch weinen. Weinen. Weinen… und langsam aber sicher einen Kuraufenthalt im Hotel im Opferland buchen. Dort würde ich am Jammerlappen stricken, in die Sauna gehen, um Dampf abzulassen und im Pool im Selbstmitleid baden. Und schließlich würde ich am HoWa-Virus erkranken, nämlich: Hoffen und Warten, bis die anderen mich glücklich machen oder unterhalten und vielleicht zum Lachen bringen.

Was ist Humor?

Humor wird definiert als die menschliche Fähigkeit, „den Unzulänglichkeiten der Welt und der Menschen sowie den Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags mit heiterer Gelassenheit zu begegnen“. Theo Lingen ergänzt: „Humor ist eine famose Turnübung, die darin besteht, sich selbst auf den Arm zu nehmen!“
(M. Titze und I. Patsch)

Humorvoll ist übrigens nicht nur, wer gut Witze erzählen kann. Humorvoll kann eine heitere Grundstimmung sein, ein Wortwitz, eine paradoxe Antwort, eine mimische und gestische Übertreibung, eine Erzählung einer erlebten humorvollen Episode, Umdeutungen negativer Ereignisse ins Positive (Reframing) und absurde Antworten. Wichtig ist zu wissen, dass Humorvolles immer eine überraschende Wende (Pointe) beinhaltet.
Ein Greis besteigt einen Bus und zeigt dem Fahrer ein Kinderticket: „So lange musste ich auf den Bus warten!“

Good bye Ernst, aber wie?

Ich selbst war angeblich ein lustiges Kind. Meinen Humor habe ich später jedoch begraben und unbewusst an meinen Sohn weitergegeben. Er lebte ihn dann jahrelang statt meiner. Erst mit 49 Jahren „eroberte“ ich mir meinen Humor allmählich zurück.

Mit folgenden Schritten können Sie Ihren Humor wiederfinden:

1. Legen Sie den Fokus auf Humor. Betrachten Sie alltägliche Situationen durch die „Humorbrille“.

2. Vertiefen Sie sich in Literatur zu diesem Thema. Überprüfen Sie, was Sie hier in diesem Artikel gelesen haben, auf den Wahrheitsgehalt. Michael Titze, Vera Birkenbihl, Charlotte Cordes, Petra Wüst sind einige der AutorInnen, die mich ansprachen.

3. Entdecken Sie, welcher Humortyp Sie sind. Es gibt bei Petra Wüst im Internet einen Test dazu.

4. Sorgen Sie für lustige Cartoons auf Ihrem stillen Örtchen und/oder auf dem Nachtkästchen z. B. die Jahrbücher von Haderer oder „Beste Cartoons des Jahres“.

5. Schauen Sie anstatt Nachrichten lieber täglich eine halbe Stunde Kabarett im Internet. Dort finden Sie Ihren oder Ihre LieblingskabarettistIn und sind nicht abhängig davon, dass im TV der oder die Ihrige ausgestrahlt wird.

6. Besuchen Sie Kabaretts oder Komödien.

7. Schenken Sie Familienmitgliedern, FreundInnen oder ArbeitskollegInnen humorvolle Sprüche auf Karten oder Tafeln.

8. Laden Sie sich eine Witze-App runter und lesen Sie täglich mehrere Witze.

9. Legen Sie sich ein Humortagebuch zu, in dem Sie Ihre Lieblingswitze oder Sprüche händisch reinschreiben. Dadurch lernen Sie sich Witze zu merken. Ich kann das für mich bestätigen!

10. Erzählen Sie in einer Runde immer wieder mal einen Witz aus Ihrem Tagebuch.

11. Üben Sie sich vorsichtig darin: „Was sich liebt, das neckt sich!“ Achten Sie dabei aber darauf, nicht sarkastisch zu werden. Charlottes Buch: „Das lachen Sie schon!“ oder Titzes: „Humorstrategie“ sind dafür empfehlenswert.

12. Sagen Sie „Ja!“ und legen Sie noch eins drauf, wenn Sie jemand beschuldigt. Z. B. Er zu ihr: „Du hast den Geschirrspüler schon wieder furchtbar eingeräumt! Wie oft soll ich dir noch sagen, dass die Töpfe unten hingehören?“

Mögliche humorvolle Antwort von ihr: „Gott, wie recht du hast! Ich bin unmöglich. ;-) Ich mach alles falsch. ;-) Auch geb ich den Fön immer ins Backrohr!“ M. Titze nennt diese Methode die Judo-Methode.

13. Sagen Sie „A prospos…“ und bieten Sie absurde Lösungen an. Z. B.: Er zu ihr: „Du hast den Geschirrspüler schon wieder furchtbar eingeräumt! Wie oft soll ich dir noch sagen, dass die Töpfe unten hingehören?“ – Sie antwortet: „A prospos hören. Ich glaube ich höre schlecht. Ich werde mir ein Hörgerät anschaffen!“

14. Spielt miteinander anstatt mit dem Handy! Studien belegen, dass intensive Facebook-Nutzung depressiv macht. Also selbst, wenn Sie sich was Lustiges posten! Seien Sie lieber real lustig als virtuell!

15. Verwenden Sie Scherzartikel. Setzen Sie z. B. spontan eine Clownnase auf.

16. Sprechen Sie in Gromolo, in dem Sie sinnlose Silben aneinanderreihen. „Gito hal bliks def!“ Ich garantiere Ihnen die Aufmerksamkeit Ihres Gesprächspartners, z. B. das Kind, das abends nicht Zähneputzen will, oder der Freund, der lieber mit dem Handy anstatt mit Ihnen spielt.

Nicht zuletzt hilft mir das Improvisationstheater, zumindest jede Woche einmal lauthals zu lachen, um mindestens schon mal einen Lachvorschuss für die Woche zu haben. Infos finden Sie unter: www.kulturverein-oberndorf.at

Bankbeamte: „Sie haben Ihr Konto um € 3.000,- überzogen. – Kunde: „So viel Geld habe ich doch gar nicht!“
Wie Sie in Erziehung und Partnerschaft noch humorvoller und effektiver intervenieren können, erfahren Sie auf meiner Webseite unter www.zauchner-mimra.info oder in einem persönlichen Beratungsgespräch. Denn: „Das lachen wir schon!“ Ihre Mag. Stefanie Zauchner-Mimra

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