Tobias Regner

Bilder: Sven Kulzer
Autor: Ingrid Leitner

Tobias Regner ist Vollblutmusiker, Gitarrenlehrer und war vor Kurzem auch als Musicaldarsteller in der Rocky Horror Show zu sehen. Wir durften den gebürtigen Teisendorfer und ehemaligen DSDS-Gewinner, der zurzeit mit seinem neuen Album „Ohne Netz und doppelten Boden“ von sich reden macht, zum Interview treffen und waren von seiner offenen, ehrlichen, lustigen und außergewöhnlich bodenständigen Art begeistert.

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Impuls Lifestyle: Ich habe gelesen, dass du seit Kurzem auch in Sachen Musical aktiv bist. Wie kam es dazu?

Tobias Regner: Das war reiner Zufall. Ich war 2013 wieder einmal im Fernsehen zu sehen und da hat mich zufällig der Regisseur des Musicals, in dem ich jetzt mitspielte, gesehen. Er dachte sich: Mensch, der Regner ist zwar kein ausgebildeter Musicaldarsteller, aber der wäre doch der perfekte Eddie für die Rocky Horror Show.

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Impuls Lifestyle: Wie war diese Erfahrung für dich?

Tobias Regner: Sehr spannend und es macht auf jeden Fall Spaß. Gut war, dass ich nur eine kleine Rolle hatte, da ich das ja nicht studiert hatte – im Gegensatz zu allen anderen rund um mich herum. Die hatten den Vorteil, dass sie drei Jahre lang nichts anderes gemacht haben als tanzen, singen und schauspielern – und das gleichzeitig. Für mich war komisch, dass ich nicht als Tobias Regner auf die Bühne gegangen bin, sondern als Eddie. Absolut spannend, lehrreich und anstrengend. Unter anderem war das Tanzen für mich eine große Herausforderung, denn man ist ständig in Bewegung und bei jedem Schritt, den du machst, werden Körper und vor allem auch Stimme erschüttert. Die Stimme wackelt dann quasi konstant und du musst immer versuchen, sie so zu stützen, dass sie gerade ist, obwohl du dich selbst in Bewegung befindest. Die anderen konnten das natürlich alle perfekt, für mich war es richtig anstrengend.

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Impuls Lifestyle: Du spielst ja bereits seit deinem neunten Lebensjahr Klavier und bist auch immer bei der Musik geblieben. Wer oder was brachte dich zur Musik?

Tobias Regner: Meine Mutter arbeitet schon ewig als Gitarrenlehrerin. Mein Vater hat früher Klavier gelernt und beherrscht mehrere Blasinstrument. So war es eigentlich eher die Frage, was ich lerne. Meine Mutter wünschte sich, dass ich Gitarre lerne, mein Vater war für Klavier, wobei ihm wahrscheinlich Waldhorn am liebsten gewesen wäre. Das interessierte mich aber überhaupt nicht, sodass ich mich schlussendlich für Klavier entschied, was ich dann auch sechs Jahre lang lernte. Dabei habe ich gemerkt, dass ich mit den Noten nicht so ganz klarkomme, sondern lieber nach Gehör spiele. Ich habe mir dann angewöhnt, meiner Lehrerin immer auf die Finger zu schauen, und anhand der Optik gelernt, wie man welches Lied spielt. Dann kam ich in meine erste Cover-Schülerband in Ruhpolding und wir haben begonnen, alle möglichen Rocksongs wie „Highway to Hell“, „Smoke on the Water“ und so weiter zu covern. Ein Jahr später kam dann die nächste Coverband hier in Freilassing an der „mc-music.org“-Musikschule, die damals von Rainer Langhans und heute von Max Pastötter geleitet wird, dazu. Anschließend kam ich zum ersten Mal in eine richtige Bierzelt-Coverband in Inzell, die „ge‘läck“ hieß und die es auch heute noch gibt.

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Impuls Lifestyle: Was fasziniert dich an der Musik?

Tobias Regner: Für mich ist das Faszinierende an der Musik, dass du nie alles kennenlernen wirst. Egal, wie weit du dich entwickelst. Du kannst jedes Stück, das du einmal irgendwo gehört hast, auf tausend verschiedene Arten spielen. Ein klassisches Stück als Reggae-Stück oder auch ein Jazz-Stück als Rocksong. Du kannst dir jeden Song dieser Welt zu eigen machen und auf deine eigene Art und Weise interpretieren.

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Musik ist einfach unendlich tief und wenn du glaubst, du hast schon jedes Gefühl durch Musik erlebt, kommt plötzlich wieder ein neuer Song, der in dir ein Gefühl erzeugt, das du bis dahin noch nie hattest. 

Das kann man dann oft auch nicht in Worte fassen! Ich finde schade, dass ich Songs höre, die mir eine enorme Gänsehaut verpassen, dann aber nicht die richtigen Worte dafür finde. Auch bei meinen eigenen Songs schreibe ich immer zuerst die Musik und achte dann darauf, welches Gefühl sie in mir erzeugt. Dann versuche ich, dieses Gefühl in Worte zu fassen, damit ich den Gesamteindruck des Songs nochmals textlich unterstreichen kann. Es ärgert mich manchmal, dass ich all die aus der Musik gezogenen Emotionen nicht gleichermaßen in einen Text verwandeln kann.

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Impuls Lifestyle: Was inspiriert dich zu deinen Songs?

Tobias Regner: Vor einem Jahr traf ich mich mit einem Werbetexter aus Salzburg, der mich bei den Texten unterstützte. Er gab mir den Tipp, dass ich mit offenen Augen und Ohren durch den Alltag gehen und aufpassen soll, ob ich irgendwelche einprägsamen Erlebnisse habe. Das, was hängen bleibt, wird dann ein Song. Aber ich glaube, im Großen und Ganzen handeln meine Texte primär von meinen Gedanken und den Erlebnissen mit meinen Mitmenschen. Ich mache mir viele Gedanken darüber, was andere von mir denken oder was ich tun muss, um einfach ein guter Mensch zu sein und möglichst eine schöne Zeit mit meinen Mitmenschen zu verleben. Es ist schade, dass man es sich gar nicht so vorstellen kann, komplett alleine zu sein – so ganz „I am Legend“-mäßig –, denn dann würde man seine Mitmenschen mehr zu schätzen wissen und häufig anders durchs Leben gehen. Meine Songs sollen einerseits für mich selbst wachrüttelnd sein, damit ich nicht vergesse, was ich an meinem Leben habe, und andererseits natürlich auch andere Menschen wachrütteln, denn es gibt bestimmt auch andere Menschen, die so denken wie ich.

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Impuls Lifestyle: Du hast ja dein erstes Album nach DSDS auf Englisch herausgebracht und anschließend dann zu deutschen Songtexten gewechselt. Was hat dich dazu bewogen?

Tobias Regner: Die Idee mit den deutschen Texten kam eigentlich von meiner alten Plattenfirma, die gerne eine „deutsche“ Nickelback-Version gehabt hätte und damit eine Marktlücke füllen wollte. Leider hat das damals nicht so funktioniert, wie man es sich vorgestellt hatte. Ich habe dann also wieder auf Englisch gewechselt, bin aber später zurück auf Deutsch gekommen, weil ich gemerkt habe, dass ich, wenn ich eigene Songs schreibe, auf Deutsch einfach mehr Wörter zur Verfügung habe, um mich auszudrücken. Auch der Zuhörer muss nicht erst mühsam anfangen, die Songs zu übersetzen.

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Impuls Lifestyle: Deine deutschen Songs wirken im Vergleich zu den englischen auch authentischer, finde ich.

Tobias Regner: Danke! Das freut mich, denn genau das habe ich mir auch gedacht. Wenn ich auf Englisch gesungen habe, sagten viele, es klänge wie James Hetfield von Metallica. Den Vergleich kann jetzt keiner mehr anstellen.

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Impuls Lifestyle: Man kann dich als absoluten Vollblutmusiker beschreiben. Häufig haben eben diese ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zu DSDS. Was war für dich der Grund oder Auslöser, dich für die Show zu bewerben?

Tobias Regner: Ich habe es in erster Linie gemacht, um herauszufinden, wie gut ich als Sänger wirklich bin. Während meiner Coverbandzeiten haben mir die Leute immer wieder gesagt, wie gut ich singe, und da dachte ich mir, wenn das wirklich so ist, dann möchte ich mich gern einmal im großen Stil messen. Ich dachte, dass DSDS eine sehr gute Möglichkeit wäre. Ich war der Meinung, dass da wirklich die besten Sänger Deutschlands zusammenkommen – die besten waren es dann, im Nachhinein betrachtet, wahrscheinlich nicht, denn jene, die Gesang studiert haben, trifft man dort eher weniger. Aber damals war ich davon überzeugt, es wäre eine gute Idee. Ich wollte einfach einmal ausprobieren, wie weit ich komme. Und dann hat eines zum anderen geführt und auch mein Ehrgeiz wurde geweckt. Dann habe ich natürlich auch geübt, die Songs so gut wie möglich einstudiert und so weiter.

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Impuls Lifestyle: Würdest du sagen, dass es dich in deiner Entwicklung eher weitergebracht oder gehemmt hat?

Tobias Regner: Es hat mich sowohl weitergebracht als auch ein bisschen gehemmt – der Ausdruck, den du vorher verwendet hast: „gespaltenes Verhältnis“, der trifft es eigentlich genau. Er bedeutet, dass man einerseits dankbar dafür ist, dass man es gemacht hat, da es einen binnen kürzester Zeit in Deutschland bekannt gemacht hat. Auf der anderen Seite verflucht man das Ganze auch ein bisschen, weil man sehr lange und auch jetzt noch mit dieser Show in Verbindung gebracht wird und natürlich gleichzeitig mit allem, wofür die Show steht. Sprich: Dieter Bohlen und auch negative Aspekte, wie zum Beispiel, dass bei DSDS ja auch Leute hinkommen, die gar nicht singen können. Dabei wird dann jeder über einen Kamm geschoren.

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Impuls Lifestyle: Wie war es für dich, DSDS dann wirklich zu gewinnen? Was denkt man bzw. was fühlt man in diesem Moment?

Tobias Regner: Ich war während der ganzen Zeit der Liveshows eigentlich unter Dauerspannung und kurz vor meinen Auftritten, bevor diese Wand dann hochging, extrem nervös, hatte zum Beispiel einen extrem schnellen Puls. Das war schon jedes Mal eine richtige Herausforderung. Ich habe dann halt immer versucht, mich selbst zu beruhigen nach dem Motto: Was soll schon passieren, die werden dich nicht umbringen.

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Impuls Lifestyle: Und das hat gewirkt?

Tobias Regner: Bis zu einem gewissen Grad schon, zumindest haben immer alle gesagt, ich würde extrem cool auf der Bühne wirken. Also nach außen hat es funktioniert. (lacht) Im Finale war das dann natürlich auch so und als der Moment da war, in dem mein Name gesagt wurde, war ich irgendwie total weit weg. Ich war so nervös – wahrscheinlich habe ich deswegen auch so bekloppt ausgesehen, wie ein gestrandeter Fisch – in dem Moment dachte ich eigentlich nur: Krass, das kann doch jetzt nicht wahr sein. Das, was danach kam, war eigentlich wie ein Film und ich habe so funktioniert wie eine Maschine. Die nächsten sechs Wochen waren voll mit Interviews. Zwischendrin haben wir noch das Album „Straight“ innerhalb von zwei Wochen aufgenommen, denn das musste schnell gehen und war eigentlich wie Akkordarbeit. Wir haben damals parallel in zwei Studios gearbeitet. Im einen Studio hat die Band das Playback eingespielt, es am Abend dann ins andere Studio geschickt, wo ich am nächsten Tag den Gesang dazu aufgenommen hab und parallel hat die Band an diesem Tag schon das Playback für den nächsten Song eingespielt.

Bei Sony wusste man sehr genau, dass es jetzt aktuell in den Köpfen ist und die Leute jetzt auf etwas warten. Alles musste möglichst schnell ausgeschlachtet werden, weil man genau wusste, die nächste Staffel kommt. Unsere Staffel war damals ein großer Erfolg und DSDS war sehr beliebt. Darum war man sich sehr bewusst darüber, dass das mit meinem Hype wahrscheinlich nicht von besonders langer Dauer sein wird. So ist es bis jetzt eigentlich mit jedem gelaufen. Jeder hat kurz seinen Hype und dann muss er schauen, dass er das Level selbst so gut wie möglich halten kann. Das gelingt zwar eigentlich nie, aber da muss man dann aufpassen, dass man nicht zu weit fällt und es für sich selbst so gut wie möglich ausnutzt.

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Impuls Lifestyle: Was macht das mit dir als Mensch? Ich persönlich stelle mir das extrem schwierig vor. Man ist ganz hoch oben, alles ist toll, jeder bewundert dich und plötzlich beginnt das nachzulassen und du kannst eigentlich machen, was du willst, dieser extreme Hype ist einfach vorbei. Wie geht man damit um?

Tobias Regner: Also ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass ich jetzt deswegen depressiv oder so etwas werden würde. Was mich wirklich gestört hat war, dass ich damals komplett abhängig von meinem Umfeld war. Ich war abhängig von meiner Plattenfirma, meinem Management und all den Leuten, die das nötige Know-how hatten. Es hat mich gestört, dass ich gemerkt habe, dass ich selbst nicht das nötige Wissen dazu habe, mich auf diesem Level zu halten. Ich war einfach nur Musiker, der schöne Musik machen wollte, die ihm Spaß macht. Aber vom Marketing hatte ich keine Ahnung und die Plattenfirma hat mir dabei natürlich auch nur bedingt geholfen. Die haben darauf geachtet, dass sie möglichst wenig Aufwand haben. Ich sollte dann das neue Album auf Deutsch schreiben à la Nickelback und es ihnen im Frühjahr 2007 präsentieren. Damit war es für sie wenig Aufwand, denn sie mussten mir ja auch keinen Songwriter oder so stellen. Und ich war Feuer und Flamme, dass ich alleine ein Album für die Sony schreiben durfte. Dementsprechend ist das Album dann halt auch nicht so gut geworden und für die Plattenfirma einfach nicht gut genug. Wenn man es vom wirtschaftlichen Standpunkt aus sieht, habe ich es ein wenig in den Sand gesetzt. Ich hätte mir Leute suchen müssen, die ein wenig mehr Ahnung von Vermarktung haben, und mir mehr von anderen sagen lassen sollen, wie ich mich vermarkten oder auch verkaufen muss. Aber ich wollte es halt immer auf meine Art machen. Ich wollte meine eigenen Songs schreiben, selbst und ohne Hilfe – habe dann halt schmerzlich festgestellt, dass sie nicht gut genug sind. Im Nachhinein ist genau das aber auch wieder irgendwie cool, denn ich brauche mir so nicht nachsagen zu lassen, dass ich mich irgendwie verkauft hätte, weil ich es eben auf meine Art gemacht habe.

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Impuls Lifestyle: Glaubst du, dass dich das Ganze charakterlich verändert hat?

Tobias Regner: Gute Frage, da wäre es interessant zu wissen, wie ich heute drauf wäre, wenn ich das Ganze nicht gemacht hätte. Vielleicht wäre ich dann noch unreifer. (lacht) Ich glaube, dass ich besser mit Kritik umgehen kann, das definitiv, und ich denke, ich bin auch toleranter geworden. Ich lasse mich nicht mehr so schnell auf die Palme bringen. Ich bin mit vielen Menschen in Kontakt geraten, die mir brutal auf die Nerven gegangen sind, aber das waren halt einfach auch Menschen, die mich von DSDS kannten und die mir wohlgesonnen waren und die mich unterstützt haben. Die haben meine Musik und mich geschätzt, also: Warum sollten die mir dann auf die Nerven gehen? Ich glaube, ich habe gelernt, Menschen mehr so zu akzeptieren, wie sie sind.

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Impuls Lifestyle: Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Tobias Regner: Momentan habe ich eigentlich tausend verschiedene Baustellen. Im März habe ich eine Ausbildung zum E-Gitarrenlehrer begonnen, die ich in zwei Jahren mit einem Diplom zum staatlich anerkannten E-Gitarrenlehrer abschließe; da muss ich mich jetzt richtig reinhängen. Dann sollte ich unbedingt jeden zweiten Tag zumindest den Grundstock für einen neuen Song hinbekommen, da ich nächstes Jahr gerne wieder ein neues Album herausbringen möchte. Bei den letzten Alben habe ich mir von einem professionellen Songwriter aus Köln noch ein wenig helfen lassen und dieses schreibe ich jetzt komplett alleine. Darum wird es auch wieder ein wenig härter. Ach ja, mehr Sport treiben sollte ich auch wieder. (lacht) Und natürlich auch mehr live spielen, vor allem nicht nur mit meinen Coverbands, sondern gerne mehr „Regner“-Konzerte.

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Wer Tobias Regner live erleben möchte, hat am 17.09.2015 im Nuts in Traunstein die Möglichkeit dazu!



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